Ägäis
Türkiye
Anatolien ist die Heimat der Philosophen, der Väter der modernen Wissenschaft und Geisteswissenschaften. Ionia an den Ufern der östlichen Ägäis und die antike Stadt Miletos in Kleinasien, kommen an erster Stelle. Thales von Miletos war der erste Philosoph, der behauptete die Natur nicht der Götter willen, sondern für seine täglichen praktischen Bedürfnisse zu beobachten. Er war der erste Mensch, der die Natur objektiv aus Neugier beobachtete. Sein Schüler Anaximander und Anaximanders Schüler Anaximenes von Miletos setzten sein Vermächtnis fort. Sie versuchten den Ursprung und die Struktur der Welt auf rationale Weise zu erklären. Anaximander war der erste, der die Erde als in einer Leere schwebend, ohne jegliche Unterstützung, beschrieb. Heraklit von Ephesos sah die Welt in einem ständigen Zustand des Flusses, während das Feuer die zugrunde liegende Ordnung des Kosmos konzipierte, welche sich ständig transformier, aber dennoch gleich bleibt. Anaxagoras, geboren in Clazomenae, betrachtete die materielle Substanz als eine unendliche Vielzahl unvergänglicher Primärelemente, die jegliche Entstehung und das Verschwinden von Materie als Mischung bzw. Trennung dieser Elemente verstand. Er glaubte, dass jede Substanz durch eine ordnende Kraft, den kosmischen Geist (nous), angeordnet ist. Eine philosophische Schule wurde in Assos unter der Herrschaft von Hermias von Atarneus gegründet, der ein Schüler in Platons Akademie und ein ehemaliger Sklave von Eubulus, einem bithynischen Geldwechsler war. Hermias lud eine Reihe von Philosophen und Naturwissenschaftlern nach Assos ein, darunter Aristoteles und Xenokraten, die er von Platons Akademie in Athen kannte.
Das Buch der Offenbarung richtet sieben Briefe an sieben Kirchen in Kleinasien, dem heutigen Türkiye. Jeder Brief, wie er von Christus verkündet und vom Apostel Johannes aufgezeichnet wurde, erklärt die Erfolge und die Fehler der empfangenden Kirchen und warnt jede Gemeinde, sich zu bekehren. Die sieben Kirchen der Offenbarung gehörten zu einer Reihe frühchristlicher Gemeinschaften in Kleinasien. Diese sieben Kirchen wurden vielleicht ausgewählt, um die apokalyptische Botschaft Christi zu empfangen, weil sie sich entlang einer etablierten, kreisförmigen Handelsroute befanden, die die bevölkerungsreichsten und einflussreichsten Teile der Provinz zusammenbrachte. Alle sieben Kirchen der Offenbarung befinden sich in der ägäischen Region im westlichen Türkiye. Ephesos (Selcuk-Efes/İzmir) Smyrna (İzmir) Pergamon (Bergama/İzmir) Thyatira (Akhisar/Manisa) Sardis (Salihli/Manisa) Philadelphia (Alaşehir/Manisa) Laodicea (Denizli)
Homer, der große Autor der Epen Ilias und Odyssee, stammte aus dem antiken Smyrna. Er wurde als „Melesigenes“, „der vom Meles Herstammende“ bezeichnet. Meles bezieht sich auf den Fluss Meles, oder vielmehr Meles Bach. Die Höhle, in der er seine epischen Gedichte verfasst haben soll, wurde als in der Nähe der Quelle des Baches beschrieben, der durch die Stadt İzmir fließt. Ein Tempel, der dem Dichter gewidmet war, der Homereion, stand an den Ufern dieses Flusses. Obwohl er einer der berühmtesten Dichter der Welt war, wissen wir sehr wenig über ihn. Der Meistererzähler schweigt über sein eigenes Leben. In Troia kann man fast den gesamten Ilias nachvollziehen, während man entlang der ägäischen Küste Türkiyes den Spuren der Protagonisten der Odyssee folgen kann. Die Ruinen der Wallfahrtskirche von Claros, dem Orakelzentrum der Antike, befinden sich in der Provinz İzmir, in der Nähe der Küstenstadt Özdere. Das religiöse Zentrum in Claros bestand aus dem Tempel und dem Orakel von Apollo, der hier als Apollo Clarius verehrt wurde. In der Antike war das Orakel so bedeutend wie das Orakel von Delphi und Didyma. Die frühesten Informationen über das Orakel in Claros stammen aus dem 7. Jahrhundert v. Chr. in Form der Homerischen Hymnen. Dabei handelt es sich um eine Sammlung von 33 anonymen Gedichten, die Homer zugeschrieben werden, der nach Meinung einiger Gelehrter im nahegelegenen Colophon geboren wurde.
Die sephardischen Elemente und die vom mittelalterlichen Spanien inspirierten architektonischen Stile verleihen den Synagogen in einen einzigartigen Charakter. İzmir ist die einzige Stadt der Welt mit einer noch nicht dagewesenen, ungewöhnlichen Ansammlung von Synagogen mit einem bestimmten architektonischen Stil aus dem 16. Jahrhundert. Einige dieser Synagogen liegen nebeneinander und schaffen einen einzigartigen historischen architektonischen Komplex. Von den 33 Synagogen, die in den vergangenen Jahrhunderten in İzmir gebaut wurden, sind nur acht erhalten geblieben und stehen den Besuchern rund um das historische Marktgebiet Kemeraltı, jene Gegend, die auch Havra Sokağı (Synagogen-Straße) bekannt ist, offen. Diese Synagogen sind ein lebendiges Zeugnis für die Geschichte der jüdischen Gemeinde in İzmir, die eine der spektakulärsten ihrer Art war und die im 17. und 18. Jahrhundert den größten geistigen und kulturellen Einfluss aller jüdischen Diasporagemeinden hatte. Die bestehenden Synagogen in İzmir werden von einer internationalen Initiative unter dem Namen „İzmir Projekt“ mit Unterstützung der lokalen Behörden und der jüdischen Gemeinde von İzmir restauriert und rekonstruiert. Das jüdische Viertel der Stadt İkiçeşmelik befindet sich zwischen Kadifekale, Basmane und der Havra-Straße und breitete sich später im 19. Jahrhundert auf die Stadtteile Karataş, Göztepe und Karantina aus. Die wenigen verbliebenen Cortijos (Familienhäuser) im Viertel İkiçeşmelik, wo sich die sephardisch-jüdischen Bewohner von İzmir niederließen, werden renoviert. Ein Cortijo bezog sich speziell auf einen Gebäudetyp, der um einen Innenhof herum organisiert ist und historisch die ärmsten Mitglieder der sephardischen Gemeinde in der Stadt beherbergte. Jede Familie wohnte in einem Einzelzimmer mit Blick auf den Innenhof und teilte sich gemeinschaftliche Einrichtungen wie Küche, Bad und Brunnen. Die sephardischen Synagogen von Kemeraltı, die man besuchen kann, sind: Bikur Holim, Beth Hilel, Seniora, Shalom, und die Algazi und Beth Israel Synagogen in Karataş.
Wallfahrtsort der Jungfrau Maria – St. Johannes-Basilika – Tempel von Artemis, Ephesos – Dorf Şirince Das Konzil von Ephesos (431 n. Chr.) kam zum Schluss, dass die Jungfrau Maria ihre letzten Jahre in der Nähe von Ephesos verbrachte. Von Ephesos aus reiste der Apostel Johannes durch Kleinasien. Weiter zurück in der Zeit kamen die ersten Pilger, um die anatolische Göttin Kybele zu verehren. Später verschmolz diese Göttin mit der griechischen Göttin Artemis und wurde an der großen Artemision als Ephesian Artemis verehrt, die Pilger aus dem gesamten Mittelmeerraum anzog. Diese alten Kulte weiblicher Götter wurden später in der Anbetung von Maria, der Mutter Jesu, widergespiegelt, von der angenommen wird, dass sie die letzten Jahre ihres Lebens in Ephesos verbracht hat. Der Apostel Johannes wurde auf dem Ayasuluk-Hügel in der Stadt Selcuk begraben, wo im 6. Jahrhundert eine beeindruckende Basilika vom byzantinischen Kaiser Justinian erbaut wurde. Dieser Überlieferung zufolge kam Maria zusammen mit dem heiligen Johannes nach Ephesos und verbrachte die letzten Jahre ihres Lebens hier. Als die lazaristischen Priester das Haus einer Vision von Anne Catherine Emmerich folgend entdeckten, stellten sie fest, dass die Einheimischen des nahegelegenen Dorfes Şirince seit Jahrhunderten an dieser Stelle die „Mariä Himmelfahrt“ feierten. Heute kann das Haus der Jungfrau Maria (Meryem Ana Evi auf Türkisch) zusammen mit dem Heiligen Brunnen in der Nähe und der historischen Wunschmauer besichtigt werden.